Drei Teilnehmende des Hupkonzerts in Düsseldorf halten ein Plakat: Pflege ist kein Sparschwein!
Pflegereform

Hupkonzert für die Pflege: Rund 280 Fahrzeuge vor dem Landtag in Düsseldorf

Am 5. November 2026 sind ambulante Pflege- und Betreuungsdienste im Autokorso durch Düsseldorf gefahren und haben vor dem Landtag NRW demonstriert. Nach Angaben der Veranstalter waren rund 280 Fahrzeuge dabei. Die Dienste fordern Änderungen am Kabinettsentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG).

Am Donnerstagnachmittag war rund um den Landtag in Düsseldorf kaum zu überhören, worum es geht. Erst fuhr der Autokorso durch die Stadt, danach folgte die Kundgebung vor dem Landtag NRW. Im Vorfeld waren mehr als 200 Fahrzeuge angemeldet. Nach Angaben der Veranstalter sind am Ende rund 280 mitgefahren.

Wer dahintersteht

Hinter dem Hupkonzert stehen vier Menschen aus der Pflege, die das Ganze in wenigen Tagen auf die Beine gestellt haben: Karsten Kalinowski (ArteClean), Carsten Krätschmer (SHD der Pflegedienst), Christian Ufer (Pflege Süd) und Christian Westermann, Sprecher der Ruhrgebietskonferenz-Pflege und Geschäftsführer von Engel vonne Ruhr. Sie haben die Dienste zusammengebracht, den Autokorso organisiert und die Kundgebung vorbereitet.

Formal veranstaltet wurde der Tag von den LfK-Kreisverbänden Recklinghausen und Gelsenkirchen. Mitgefahren sind vor allem ambulante Pflege- und Betreuungsdienste.

Wir waren mit Allpacare Pflegeberatung ebenfalls dabei. Uns ging es darum, die Stimme der pflegenden Angehörigen mitzuvertreten. In unserer Beratung erleben wir, wie viele Familien auf Hauswirtschaft, Alltagsbegleitung und Betreuung durch einen Dienst angewiesen sind. Die geplanten Änderungen treffen sie genauso wie die Dienste.

Was auf der Bühne gesagt wurde

Die Redner warnten vor dem Verlust zehntausender Arbeitsplätze in der ambulanten Pflege und Betreuung, nach ihren Worten sind über 80.000 Stellen in Gefahr. Sie kritisierten, dass über die Zukunft der Pflege entschieden wird, ohne die Pflege einzubeziehen, und forderten eine belastbare Folgenabschätzung, bevor bestehende Strukturen in Hauswirtschaft, Alltagsbegleitung und Betreuung wegfallen. Der Grundton des Tages: Pflege kann laut sein, sich wehren und zusammenhalten.

Die vier Forderungen

  • Das Sozialraumbudget muss für alle offen bleiben. Auch ambulante Pflegedienste und Tagespflegen sollen dort als Anbieter zugelassen sein.
  • Pflegegrad 1 braucht Zugang. Menschen mit Pflegegrad 1 sollen Leistungen über das Sozialraumbudget bekommen.
  • Die Verhinderungspflege muss erhalten bleiben.
  • Pflegeberatung muss offen bleiben für Pflegedienste und anerkannte Beratungsstellen.

Was der Kabinettsentwurf vorsieht

Grundlage der Proteste ist der Kabinettsentwurf des PNOG vom 30. September 2026. Danach soll der Entlastungsbetrag ab 2027 im neuen Sozialraumbudget aufgehen. Ambulante Pflegedienste und Tagespflegen sollen dabei als Anbieter außen vor bleiben. Bekommst du heute Pflege und Hauswirtschaft vom selben Dienst, kann das für dich heißen: Beides kommt künftig womöglich nicht mehr aus einer Hand.

Menschen mit Pflegegrad 1 sollen den Entlastungsbetrag nach dem Entwurf gar nicht mehr erhalten. Die Verhinderungspflege soll nach dem Entwurf wegfallen.

Beschlossen ist davon noch nichts. Die Forderungen richten sich an die Landespolitik in Düsseldorf und an Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann in Berlin. Ob und wie der Entwurf im weiteren Verfahren geändert wird, ist offen. Wir halten dich hier auf dem Laufenden.

Mehr zum Kabinettsentwurf

Stand: 7. November 2026. Alle Angaben zur Reform beziehen sich auf den Kabinettsentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) vom 30. September 2026. Kabinettsentwurf, noch nicht beschlossen. Zahl der Fahrzeuge nach Angaben der Veranstalter auf der Kundgebung, noch nicht abschließend bestätigt. Aussagen aus den Redebeiträgen der Kundgebung am 5. November 2026. Funktion von Christian Westermann laut Altenheim vom 7. Oktober 2026. Quelle: eigene Teilnahme von Allpacare Pflegeberatung an Autokorso und Kundgebung.

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