Autokorso in Düsseldorf: Am Donnerstag fährt die Pflege vor den Landtag
„Pflege braucht Zugang!“ Unter diesem Motto rufen die LfK-Kreisverbände Recklinghausen und Gelsenkirchen für Donnerstag, den 5. November 2026, zu einem Autokorso mit anschließender Kundgebung in Düsseldorf auf. Initiator ist Karsten Kalinowski, Geschäftsführer des Ambulanten Pflegedienstes ArteClean aus Haltern am See und im LfK-Kreisverband aktiv. Er steht in engem Austausch mit den zuständigen Stellen in Düsseldorf, damit der Tag geordnet abläuft.
Mit so viel Zuspruch hatte wohl kaum jemand gerechnet. Der Aufruf hat sich im Netz wie ein Lauffeuer verbreitet. Inzwischen sind mehr als 200 Fahrzeuge angemeldet, von ambulanten Pflegediensten, Tagespflegen und Betreuungsdiensten.
Warum gerade dieser Donnerstag?
Der Termin ist kein Zufall. Am selben Tag berät der Bundestag das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) in erster Lesung. Die Kernforderung der Dienste ist klar: Das neue Sozialraumbudget muss auch für ambulante Pflegedienste und Tagespflegen offen sein. Viele Dienste fürchten, dass sie dort außen vor bleiben. Für die Menschen, die sie heute versorgen, hätte das unmittelbare Folgen.
Die Dienste wollen ein Zeichen setzen, das in Düsseldorf niemand übersehen kann und das auch in Berlin ankommt.
Wer dahintersteht
Veranstalter sind die LfK-Kreisverbände Recklinghausen und Gelsenkirchen, also die regionalen Gliederungen des Landesverbands freier ambulanter Krankenpflege. Den Anstoß gab Karsten Kalinowski von ArteClean aus Haltern am See.
Mit dabei ist auch die Ruhrgebietskonferenz-Pflege (RKP), ein Netzwerk von Arbeitgebern aus der Pflege im Ruhrgebiet. Ihr Sprecher Christian Westermann kündigt an, bei der Demonstration einen offenen Brief an die NRW-Landtagsabgeordneten zu übergeben. Darin warnt die RKP davor, dass mit der Reform Betreuungs- und Hauswirtschaftsangebote wegbrechen, auf die viele Familien heute angewiesen sind.
Wie konkret das ist, zeigt das Beispiel, das die RKP selbst nennt: Bei der Seniorenhilfe SMMP stehen rund 1,13 Millionen Euro Jahreserlöse auf dem Spiel. Betroffen wären etwa 80 Beschäftigte und mehr als 500 Pflegebedürftige.
Was die Dienste fordern
- Das Sozialraumbudget muss auch für bestehende ambulante Pflegedienste und Tagespflegen geöffnet werden.
- Falls das nicht kommt: Übergangs- und Bestandsschutzregelungen für die Dienste, die diese Leistungen heute erbringen.
- Eine Folgenabschätzung, bevor die Reform in Kraft tritt.
Dazu kommt ein ganz praktisches Problem: Die Reform soll am 1. Januar 2027 starten. Das Gesetz ist noch nicht beschlossen, trotzdem müssen viele Unternehmen schon jetzt entscheiden, ob sie Personal abbauen oder Angebote einstellen. Planungssicherheit sieht anders aus.
So läuft der Tag ab
| Zeit | Programmpunkt |
|---|---|
| ab 12:30 Uhr | Treffen und Aufstellung der Fahrzeuge an den Rheinterrassen |
| ca. 14:00 Uhr | Start des Autokorsos Richtung Landtag |
| anschließend | Rückfahrt zu den Rheinterrassen, dort werden die Fahrzeuge geparkt |
| ab 15:00 Uhr | Bustransfer zur Landtagswiese |
| 16:00 Uhr | Kundgebung mit Redebeiträgen und Übergabe des Forderungsschreibens |
Plakate, Flugblätter, Banner und die Technik stellen die Veranstalter. Selbst mitbringen müsst ihr nur robustes Klebeband, am besten Panzerband, damit die Plakate auch bei der Fahrt am Auto halten. Fahnen gibt es keine.
Kontakt und Anmeldung: per E-Mail an kreisverband@pflegedienst-arteclean.de. Alle Einzelheiten zum Ablauf stehen in der Teilnehmerinformation (PDF). Die offizielle Pressemitteilung (PDF) gibt es ebenfalls zum Download.
Hinweis an alle Düsseldorfer
Bei mehr als 200 Fahrzeugen ist am Donnerstagnachmittag mit einem Verkehrschaos zu rechnen. Vor allem rund um Rheinufer, Rheinterrassen und Landtag kommt man ab Mittag bis in den Nachmittag vermutlich nur schwer durch. Plant also deutlich mehr Zeit ein. Oder ihr fahrt mit: Wer einen Pflege- oder Betreuungsdienst hat, meldet sich vorher an und reiht sich ein. Jede Hupe zählt.
Meine Einschätzung
Pflegedienste, die ihre Touren umplanen und mit dem Dienstwagen nach Düsseldorf fahren, statt bei ihren Klienten zu sein, machen das nicht aus Spaß. Dass sich so schnell so viele Dienste anschließen, zeigt mir, wie groß die Sorge in der ambulanten Pflege inzwischen ist. Und das Beispiel der SMMP macht klar, worum es geht: nicht um Verbandspolitik, sondern um Arbeitsplätze und um Menschen, die morgen niemanden mehr haben, der bei ihnen putzt, einkauft oder einfach da ist.
Mal sehen, ob man das in Berlin hört, wo am selben Tag die erste Lesung stattfindet. Überhören kann man es jedenfalls nicht. Ich bin am Donnerstag in Düsseldorf dabei und stehe der Presse für die fachliche Einordnung zur Verfügung.
Mehr zum Kabinettsentwurf
- Aus dem Entlastungsbetrag wird das Sozialraumbudget
- Pflegereform beschlossen: Das steht jetzt im Entwurf (Überblick)
- Der Fahrplan der Pflegereform
Stand: 4. November 2026. Angaben zum Ablauf laut Teilnehmerinformation der LfK-Kreisverbände Recklinghausen und Gelsenkirchen; Care vor9 nennt 13:30 Uhr als Beginn und ein Ende gegen 16 Uhr. Angaben zur Ruhrgebietskonferenz-Pflege, zur Zahl der Fahrzeuge und zur SMMP laut Care vor9 vom 3. November 2026. Kurzfristige Änderungen sind möglich, maßgeblich sind die Hinweise der Veranstalter und der Polizei vor Ort.