Pflegegrad bei COPD
Die Diagnose allein bringt keine Punkte. Gewertet wird, wobei jemand im Alltag Hilfe braucht und wie oft. Hier siehst du, wo COPD diese Hilfe typischerweise nötig macht.
Von Patrick Globert, Pflegefachkraft und Pflegeberater · Stand 28.09.2026
Worum es geht
Dauerhafte Verengung der Atemwege und Überblähung der Lunge, meist nach langjährigem Rauchen. Leitsymptome sind Atemnot bei Belastung, später auch in Ruhe, Husten und zäher Auswurf. Die Erkrankung schreitet fort, akute Verschlechterungen (Exazerbationen), oft durch Infekte, führen zu Krankenhausaufenthalten. In fortgeschrittenen Stadien sind Langzeit-Sauerstofftherapie und teils nächtliche Maskenbeatmung nötig.
Der Verlauf schreitet meist fort. Beschreib deshalb den Alltag, wie er im Moment wirklich ist, nicht wie er an einem guten Tag aussieht.
Das geht im Termin oft unter
Diese Punkte zählen für den Pflegegrad, werden aber häufig gar nicht erst erwähnt oder nicht als Hilfe erkannt.
- Modul 3 · Ängste
Bei Atemnot entsteht Panik, die die Atemnot weiter verschlimmert. Die Person braucht jemanden, der ruhig bleibt, zur Lippenbremse und zum Kutschersitz anleitet und dabei bleibt.
Warum das untergeht: Die Anleitung in der Atemnot wird als ‚normaler Umgang‘ gesehen, nicht als Hilfe bei Ängsten.
- Modul 3 · Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage
Zieht sich zurück, hat keine Freude mehr an früheren Dingen, sagt, es lohne sich nicht mehr; braucht für Körperpflege, Bewegung und Atemübungen täglich Motivation.
Warum das untergeht: Rückzug wird der Atemnot zugeschrieben, nicht der Stimmung.
- Modul 4 · Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls
Der Weg zur Toilette und das Pressen beim Stuhlgang lösen starke Atemnot aus; Begleitung, Hilfe beim Aufstehen von der Toilette, Intimreinigung; nachts Toilettenstuhl.
Warum das untergeht: Toilettengänge gelten als Privatsache; die nötige Begleitung und das Hochhelfen werden nicht erwähnt.
- Modul 5 · Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung
Verordnete Atemphysiotherapie für zu Hause: Lippenbremse, Atemübungen, Abhusten mit Atemhilfsgerät (z. B. oszillierende PEP-Geräte), mehrmals täglich. Ohne Anleitung und Motivation unterbleiben sie.
Warum das untergeht: Übungen werden nicht als Therapiemaßnahme gesehen.
Typische Fallen bei der Begutachtung
- Im Sitzen mit Sauerstoff wirkt die Person im Termin ruhig. Entscheidend ist, was bei Bewegung passiert: beschreiben, nach wie vielen Schritten oder welchem Handgriff die Luft ausgeht.
- ‚Sie macht das allein, nur langsam‘ verschleiert, dass Teilschritte (Rücken, Füße, Haare, Strümpfe) übernommen werden. Langsamkeit allein zählt nicht, Übernahme schon.
- Sauerstoff wird als ‚läuft halt‘ beschrieben. In 5.4 zählt jede nötige Hilfe: Anlegen, Umstecken auf das Mobilgerät, Nachfüllen, Flussrate anpassen, nachts Brille wieder aufsetzen.
- Inhalatoren werden von Angehörigen oft vorbereitet oder angereicht, ohne dass das als Hilfe erzählt wird. Jede Anwendung zählt einzeln.
- Nach einer Exazerbation ist der Zustand vorübergehend schlechter; bewertet wird der voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehende Bedarf. Häufigkeit der Exazerbationen mit Klinikberichten belegen.
- Rauchen trotz Sauerstoff wird aus Scham verschwiegen, erfordert aber Kontrolle (Brandgefahr).
Wo Hilfe nötig wird, Modul für Modul
Der Medizinische Dienst schaut sich sechs Lebensbereiche an. Einträge mit nachts fallen auch in der Nacht an und werden besonders oft vergessen. Wie die Module zusammenspielen.
Modul 3: Verhalten und Psychekostenlos · zum Aufklappen tippen2 Punkte
Gezählt wird hier nur, wenn wegen des Verhaltens oder der Angst aktiv geholfen werden muss: beruhigen, zum Atmen anleiten, ablenken, zureden, eingreifen. Dass nur jemand im Raum ist, damit sich die Person sicherer fühlt, zählt nach den Begutachtungs-Richtlinien nicht.
- 3.10 Ängste oft übersehen nachts
Bei Atemnot entsteht Panik, die die Atemnot weiter verschlimmert. Die Person braucht jemanden, der ruhig bleibt, zur Lippenbremse und zum Kutschersitz anleitet und dabei bleibt.
Hilfe: aktive angstlösende Unterstützung, Anleitung
- 3.11 Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage oft übersehen
Zieht sich zurück, hat keine Freude mehr an früheren Dingen, sagt, es lohne sich nicht mehr; braucht für Körperpflege, Bewegung und Atemübungen täglich Motivation.
Hilfe: Motivation
Umsetzen · Treppensteigen
Waschen des vorderen Oberkörpers · Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare · An- und Auskleiden des Oberkörpers · An- und Auskleiden des Unterkörpers · Essen · Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls
Medikation · Absaugen und Sauerstoffgabe · Messung und Deutung von Körperzuständen · Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung · Arztbesuche · Besuch anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen (bis 3 Std.)
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Alle Module und die Liste zum Ausdrucken
Trag deine E-Mail ein. Dann öffnen sich hier alle 5 Module, und du bekommst sie zusätzlich als PDF: die typischen Situationen bei COPD zum Abhaken und ein Pflegetagebuch für zwei Wochen. Die Liste ist für alle gleich. Was davon bei euch zutrifft, kreuzt du selbst an.
Du bekommst eine Bestätigungsmail und danach gelegentlich Infos rund um Pflegegrad und Begutachtung. Abmelden geht jederzeit. Datenschutz
Freigeschaltet. Die Liste zum Ausdrucken wurde heruntergeladen.
Die Liste zeigt, was zählt. Wie du es im Termin ruhig und vollständig sagst, ist Thema im Videokurs „Pflegebegutachtung meistern“.
So schilderst du es konkret
Pauschale Sätze klingen harmlos und werden oft niedriger bewertet. Konkret heißt: was genau passiert, wie oft, wie lange, wer hilft und was ohne Hilfe passieren würde.
So sagen es viele„Wenn sie keine Luft kriegt, bekommt sie Angst.“
So wird es sichtbar„Wenn meine Mutter sich angestrengt hat, schnappt sie nach Luft und bekommt Panik, sie will aufstehen und zum Fenster. Ich halte sie fest, setze sie nach vorn gebeugt auf die Bettkante, sage ihr: Lippen spitzen, langsam ausatmen, und mache es vor, bis sie mitmacht. Ein- bis dreimal am Tag, jeweils bis zu einer halben Stunde.“
So sagen es viele„Sie will halt nicht mehr so.“
So wird es sichtbar„Seit sie den Sauerstoff hat, will meine Mutter nicht mehr raus, nicht mehr telefonieren, nicht mehr die Übungen machen. Sie sagt, sie ist nur noch eine Last. Ich muss sie jeden Tag mehrmals überreden, sich anzuziehen, zu essen und die Atemübungen zu machen.“
So sagen es viele„Toilette geht allein.“
So wird es sichtbar„Auf der Toilette muss mein Vater pressen und bekommt dabei keine Luft mehr, einmal ist er fast vom Sitz gekippt. Ich bringe ihn hin, bleibe vor der Tür, helfe ihm hoch und mache ihn sauber, weil ihm das Drehen die Luft nimmt. Nachts steht der Toilettenstuhl am Bett, da helfe ich ein-, zweimal.“
Die Beispiele sind ausgedacht. Übernimm nur, was bei euch wirklich so ist, und setz deine eigenen Zahlen ein. Nichts übertreiben, aber auch nichts kleinreden.
Wie du solche Sätze im Termin sagst, ohne dass es auswendig gelernt klingt, zeige ich im Videokurs „Pflegebegutachtung meistern“ →
Gute und schlechte Tage
Belastbarkeit schwankt mit Wetter (Kälte, Nebel, Schwüle), Infekten, Luftqualität und Tageszeit. Morgens dauert das Abhusten des Schleims oft eine Stunde, bevor überhaupt etwas geht. Nach einer Exazerbation erholt sich die Belastbarkeit über Wochen, oft nicht mehr auf das alte Niveau. Im Termin im Sitzen mit Sauerstoff wirkt die Person stabil; die Atemnot kommt bei Bewegung.
Was als Nachweis hilft
- Pflegetagebuch: Transfers mit Hilfe
- Falls vorhanden: Lungenfunktionsbefund
- Pflegetagebuch
- Pflegetagebuch: Angstepisoden mit Dauer und Hilfe
- Falls vorhanden: Arztbrief mit depressiver Symptomatik
- Pflegetagebuch: übernommene Teilschritte
- Gewichtsverlauf beim Hausarzt
- Falls vorhanden: Verordnung Trinknahrung, falls vorhanden
Und jetzt?
Schreib über zwei bis vier Wochen auf, wann welche Hilfe nötig war. Mit dem Pflegegradrechner für Erwachsene kannst du danach grob einschätzen, wo ihr steht.