Pflegegrad bei Stuhlinkontinenz
Die Diagnose allein bringt keine Punkte. Gewertet wird, wobei jemand im Alltag Hilfe braucht und wie oft. Hier siehst du, wo Stuhlinkontinenz diese Hilfe typischerweise nötig macht.
Von Patrick Globert, Pflegefachkraft und Pflegeberater · Stand 28.09.2026
Worum es geht
Unkontrollierter Abgang von Stuhl oder Winden, von gelegentlichem Stuhlschmieren bis zum vollständigen Kontrollverlust. Im Alter häufig durch Schließmuskelschwäche, neurologische Erkrankungen, Durchfälle oder als Überlaufinkontinenz bei Kotstau. Stark schambesetzt, belastend für Haut, Selbstwert und soziale Kontakte; die Versorgung ist zeitaufwendig und oft nächtlich.
Der Verlauf schwankt stark. Beschreib deshalb den Alltag, wie er im Moment wirklich ist, nicht wie er an einem guten Tag aussieht.
Der Termin steht schon? Dann reicht eine Liste allein nicht. Im Videokurs bereitest du das ganze Gespräch vor, Schritt für Schritt. So läuft der Videokurs ab
Das geht im Termin oft unter
Diese Punkte zählen für den Pflegegrad, werden aber häufig gar nicht erst erwähnt oder nicht als Hilfe erkannt.
- Modul 4 · Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls
Zur Vermeidung von Unfällen wird die Person zu festen Zeiten zur Toilette geführt, meist nach den Mahlzeiten. Ohne Erinnerung und Begleitung kommt es zu Stuhlabgängen in die Vorlage.
Warum das untergeht: Der Plan funktioniert, deshalb gibt es weniger Unfälle; die Arbeit dahinter wird nicht mehr gesehen.
- Modul 5 · Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung
Beckenboden- und Schließmuskeltraining nach physiotherapeutischer Anleitung, teils mit Biofeedback-Gerät für zu Hause. Durchführung nur mit Anleitung und Erinnerung.
Warum das untergeht: Wird aus Scham nicht erwähnt.
- Modul 6 · Ruhen und Schlafen
Nächtliche Stuhlabgänge und die Angst davor stören den Schlaf. Nach Versorgung in der Nacht findet die Person nicht allein zur Ruhe, braucht Zuspruch und Hilfe beim Wiederhinlegen.
Warum das untergeht: Wird unter Inkontinenz beschrieben, aber nicht als Störung von Ruhen und Schlafen.
- Modul 6 · Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds
Treffen außer Haus und Besuche werden aus Angst vor einem Unfall abgesagt. Kontakte finden nur statt, wenn Angehörige planen, begleiten und für Notfälle sorgen.
Warum das untergeht: Wird als Rückzug aus Scham erzählt, nicht als Unterstützungsbedarf.
Typische Fallen bei der Begutachtung
- Das Thema wird im Termin gar nicht angesprochen, weil der Betroffene danebensitzt. Eine Möglichkeit ist ein Zettel oder ein kurzes Gespräch mit der Gutachterin unter vier Augen.
- ‚Er hat das im Griff‘ bedeutet oft: jemand sorgt für feste Toilettenzeiten, kontrolliert, wäscht nach und entsorgt.
- Überlaufinkontinenz wird als Durchfall missverstanden und nicht mit der Abführbehandlung in Verbindung gebracht.
- Klistiere, Einläufe und Abführtage sind eigene Punkte in Modul 5, werden aber als ‚Verdauungskram‘ weggelassen.
- Nächte mit Einkoten und komplettem Bettwäschewechsel werden vergessen.
- Die zusätzlichen Waschungen und das Umziehen tauchen im Gutachten nur als morgendliche Routine auf.
Wo Hilfe nötig wird, Modul für Modul
Der Medizinische Dienst schaut sich sechs Lebensbereiche an. Einträge mit nachts fallen auch in der Nacht an und werden besonders oft vergessen. Wie die Module zusammenspielen.
Modul 6: Alltag und soziale Kontaktekostenlos · zum Aufklappen tippen2 Punkte
- 6.2 Ruhen und Schlafen oft übersehen nachts
Nächtliche Stuhlabgänge und die Angst davor stören den Schlaf. Nach Versorgung in der Nacht findet die Person nicht allein zur Ruhe, braucht Zuspruch und Hilfe beim Wiederhinlegen.
Hilfe: aktive Beruhigung, Teilübernahme
- 6.6 Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds oft übersehen
Treffen außer Haus und Besuche werden aus Angst vor einem Unfall abgesagt. Kontakte finden nur statt, wenn Angehörige planen, begleiten und für Notfälle sorgen.
Hilfe: Teilübernahme
Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma · Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls · An- und Auskleiden des Unterkörpers
Medikation · Regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden · Versorgung mit Stoma · Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung · Arztbesuche
Alle Module und die Liste zum Ausdrucken
Trag deine E-Mail ein. Dann öffnen sich hier alle 3 Module, und du bekommst sie zusätzlich als PDF: die typischen Situationen bei Stuhlinkontinenz zum Abhaken und ein Pflegetagebuch für zwei Wochen. Die Liste ist für alle gleich. Was davon bei euch zutrifft, kreuzt du selbst an.
Du bekommst eine Bestätigungsmail und danach gelegentlich Infos rund um Pflegegrad und Begutachtung. Abmelden geht jederzeit. Datenschutz
Freigeschaltet. Die Liste zum Ausdrucken wurde heruntergeladen.
Die Liste zeigt, was zählt. Wie du es im Termin ruhig und vollständig sagst, ist Thema im Videokurs „Pflegebegutachtung meistern“.
So schilderst du es konkret
Pauschale Sätze klingen harmlos und werden oft niedriger bewertet. Konkret heißt: was genau passiert, wie oft, wie lange, wer hilft und was ohne Hilfe passieren würde.
So sagen es viele„Seit wir das so machen, passiert eigentlich nichts mehr.“
So wird es sichtbar„Weniger Unfälle gibt es nur, weil ich sie nach dem Frühstück und nach dem Mittagessen auf die Toilette setze und zehn Minuten dabeibleibe, bis etwas kommt. Wenn ich das an einem Tag nicht mache, ist nachmittags die Hose voll.“
So sagen es viele„Übungen gibt es da auch.“
So wird es sichtbar„Die Beckenbodentherapeutin hat ihm Übungen mit einem kleinen Übungsgerät für zu Hause gezeigt. Ich baue es abends auf, erkläre ihm die Übungen noch einmal und achte darauf, dass er sie macht. Etwa zehn Minuten jeden Abend.“
So sagen es viele„Nachts ist es manchmal unruhig.“
So wird es sichtbar„Nach so einer Nacht mit frischem Bett ist sie aufgewühlt und schämt sich, sie weint und kann nicht einschlafen. Ich setze mich noch eine halbe Stunde zu ihr, bis sie ruhiger ist. Aus Angst, dass es wieder passiert, schläft sie seitdem oft im Sessel. Ein- bis dreimal die Woche.“
Die Beispiele sind ausgedacht. Übernimm nur, was bei euch wirklich so ist, und setz deine eigenen Zahlen ein. Nichts übertreiben, aber auch nichts kleinreden.
Gute und schlechte Tage
Stark abhängig von Stuhlkonsistenz, Ernährung, Medikamenten (z. B. Abführmittel, Antibiotika) und Infekten. Es gibt Tage ohne Zwischenfall und Tage mit mehrfachem Einkoten. Deshalb braucht die Begutachtung einen Wochendurchschnitt, nicht ‚heute war es ruhig‘.
Was als Nachweis hilft
- Im Tagebuch jeden Stuhlabgang mit Uhrzeit und Aufwand
- Wenn nötig, Gutachterin kurz allein informieren
- Falls vorhanden: Stomaversorgung (System, Verbrauch) mit Rezept in die Mappe
- Undichtigkeiten mit Datum notieren
- Toilettengänge mit Stuhl gesondert notieren
- Toilettenplan und Ergebnisse im Tagebuch dokumentieren
- Beschreiben, was ohne Plan passiert
- Zusätzliche Kleiderwechsel im Tagebuch
Und jetzt?
Schreib über zwei bis vier Wochen auf, wann welche Hilfe nötig war. Mit dem Pflegegradrechner für Erwachsene kannst du danach grob einschätzen, wo ihr steht.